{"id":1130,"date":"2009-08-28T07:31:31","date_gmt":"2009-08-28T06:31:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.grandtour.at\/main\/?p=1130"},"modified":"2009-08-28T12:06:53","modified_gmt":"2009-08-28T11:06:53","slug":"iran-fazit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.christophulbrich.at\/grandtour\/news\/iran-fazit\/","title":{"rendered":"Iran \u2013 ein Fazit"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: medium;\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1142\" title=\"iran\" src=\"http:\/\/www.christophulbrich.at\/grandtour\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/iran.jpg\" alt=\"iran\" width=\"284\" height=\"425\" \/>Nach \u00fcber 3 Wochen Iran und in Anbetracht der derzeitigen politischen Lage \u2013 ein Fazit:.<br \/>\nKurz gesagt: Der Iran ist vollkommen anders, als man in Europa denkt \u2013 und dann auch wieder nicht. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Kein Iraner ist radikaler Mullah oder Extremist, der danach trachtet, im Namen Allahs gegen \u201eUngl\u00e4ubige aus dem Westen\u201c vorzugehen. F\u00fcr ein Land, das sich als \u201eIslamische Republik\u201c bezeichnet, sind die Menschen \u00fcberhaupt \u00fcberraschend unreligi\u00f6s. 80% der IranerInnen, die wir kennen gelernt haben, sind das, was man in Europa als Taufschein-Christen oder \u00fcberhaupt Atheisten bezeichnen w\u00fcrde. Der Anteil der verschleierten Frauen (derer, die es erkennbar ernst meinen) ist auf Teherans Stra\u00dfen definitiv geringer als z.B. in Istanbul. Die Lebenseinstellung ist, mit allen Vor- und Nachteilen, ziemlich \u201ewestlich\u201c \u2013 in den K\u00f6pfen sind die IranerInnen genau so viel oder wenig liberal, genau so hedonistisch wie wir Europ\u00e4erInnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Da sich das aber mit der offiziellen Politik der \u201eIslamischen Republik Iran\u201c nur schwer vereinbaren l\u00e4sst, hat fast jeder Iraner \u2013 wie es ein Kellner  in Tabriz nannte \u2013 ein \u201eSecret Life\u201c mit allem, was dazu geh\u00f6rt: SAT-Fernsehen, westliche Musik und Alkohol. Auch die Zensur vieler Internetseiten l\u00e4sst sich mit den richtigen Programmen leicht umgehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Die Weltoffenheit seiner B\u00fcrger kann aber dennoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass der Iran eine Regime mit diktatorischen Z\u00fcgen ist. Ein Land, in dem fast jede Frau, mit der wir reden, schon mal von der Polizei verhaftet wurde \u2013 wegen der falschen Kleidung, oder weil sie gemeinsam mit ihrem Freund ganz einfach im Auto unterwegs war. Viel mehr noch: Ein Land, in dem Oppositionelle gefoltert, Menschen f\u00fcr ihre sexuelle Orientierung hingerichtet und Meinungsfreiheit und Menschenrechte mit F\u00fc\u00dfen getreten werden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">F\u00fcr uns dr\u00e4ngt  sich der Vergleich mit der Geschichte auf: Nach 30 Jahren ist die Islamische Revolution so sehr am Ende, wie es die Franz\u00f6sische schon nach 3-4 Jahren war. Und h\u00e4lt sich \u2013 auch das kennt man von der franz\u00f6sischen Revolution \u2013 l\u00e4ngst nur noch durch Terror und die eigene Radikalisierung am Leben. Gerade sind die \u201eiranischen Jakobiner\u201c dabei, jene, die noch vor wenigen Jahren an ihrer Seite standen und jetzt den Weg der Radikalisierung und Unterdr\u00fcckung nicht mitgehen wollen, vor die Blutgerichte zu zerren. Statt Georges Danton oder Camille Desmoulins, sind es heute der fr\u00fchere Vize- Pr\u00e4sident Mohammad Ali Abtahi (der schon vor Gericht steht), Ex-Pr\u00e4sident Mohammed Khatami oder Oppositionsf\u00fchrer Mir-Hossein Mussavi, die als Verschw\u00f6rer gegen die Revolution denunziert werden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Von der Franz\u00f6sischen Revolution wei\u00df man, das Robespierre Danton nur um ein paar Monate \u00fcberlebt hat.Ob und wie die Revolution im Iran ihr Ende finden wird, l\u00e4sst sich nat\u00fcrlich nicht vorhersagen. Den R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung, den sie einmal gehabt hat, hat sie auf jeden Fall lange verspielt. Wie bei jedem Regime gibt es nat\u00fcrlich auch im Iran noch eine Basis, die dahinter steht \u2013 viele Unterst\u00fctzer scheinen aber Kahmeini und Co nicht mehr zu haben. Wobei wir nat\u00fcrlich mehr die liberalen und weltoffeneren Bev\u00f6lkerungschichten in den gro\u00dfen St\u00e4dten kennen gelernt haben \u2013 wahrscheinlich sieht das Bild landesweit ein wenig anders aus, die Tendenz ist aber eindeutig.<br \/>\nTrotzdem, die Opposition ist aus der vermeintlich verlorenen Wahl gest\u00e4rkt hervor gegangen.<br \/>\nUnd die M\u00e4chtigen wissen das auch: Der Protest ist seit der Wahl im Juni nicht verstummt: Abend f\u00fcr Abend h\u00f6rt man um 22.00h im Schutz der Dunkelheit Menschen \u00fcber Teheran \u201eAllahu akbar\u201c und \u201eMarg bar Diktator\u201c (\u201eTod dem Diktator\u201c) rufen! Das Zeichen der Opposition, ein gr\u00fcnes V, findet man \u00fcberall in Teheran an W\u00e4nde gesprayt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Die meisten IranerInnen die wir kennen gelernt haben, sind dann auch der Meinung, dass das Regime nur mehr ein fragiles Kartenhaus ist, das jederzeit st\u00fcrzen k\u00f6nnte. Die Frage ist nur, wann und welchen Impuls es dazu braucht \u2013 wir haben z.B. Iraner getroffen, die allen Ernstes einen israelischen Angriff bef\u00fcrworten, um das Regime zu st\u00fcrzen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Aber darauf wollen die meisten nicht warten \u2013 jeder, der kann, versucht irgendwie das Land zu verlassen. Nach England, Canada, die USA und vor allem Australien.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Und die, die hier bleiben, verhalten sich so, wie es wir \u00d6sterreicher aus den Zeiten der EU-Sanktionen 2000-01 kennen. Jeder, vom Eisverk\u00e4ufer bis zum Taxifahrer, betont gegen\u00fcber uns Ausl\u00e4ndern, dass das Bild des Iran im Rest der Welt v\u00f6llig verzerrt \u2013 und der Iran im allgemeinen und man selber im speziellen das Gegenteil seiner politischen Repr\u00e4sentanten \u2013 ist. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Und genau das ist auch das ambivalente Bild, das wir mitnehmen. Wir k\u00f6nnen einerseits dem Holl\u00e4nder nicht zustimmen, der seit f\u00fcnf Jahren im Iran lebt und findet \u201eIt&#8217;s a good country\u201c\u2013 daf\u00fcr l\u00e4uft zu vieles zu sehr falsch. Andererseits k\u00f6nnen wir \u00fcber die vielen Warnungen und die Sorgen, die unsere Fahrt durch den Iran begleitet haben, jetzt nur mehr l\u00e4cheln.<\/span><\/p>\n<div style=\"visibility: hidden; height: 30px;\"><span style=\"font-size: medium;\">ANY_ITEM_HERE<\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach \u00fcber 3 Wochen Iran und in Anbetracht der derzeitigen politischen Lage \u2013 ein Fazit:. Kurz gesagt: Der Iran ist vollkommen anders, als man in Europa denkt \u2013 und dann auch wieder nicht. Kein Iraner ist radikaler Mullah oder Extremist, der danach trachtet, im Namen Allahs gegen \u201eUngl\u00e4ubige aus dem Westen\u201c vorzugehen. 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