{"id":955,"date":"2009-07-31T15:27:06","date_gmt":"2009-07-31T14:27:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.grandtour.at\/main\/?p=955"},"modified":"2009-08-12T10:53:33","modified_gmt":"2009-08-12T09:53:33","slug":"in-den-iran-%e2%80%93-ein-kafkaeskes-schloss-mit-sieben-siegeln","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.christophulbrich.at\/grandtour\/news\/in-den-iran-%e2%80%93-ein-kafkaeskes-schloss-mit-sieben-siegeln\/","title":{"rendered":"In den Iran \u2013 ein kafkaeskes Schloss mit sieben Siegeln"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: medium;\">Die Einreise in den Iran entwickelt sich zum epochalen kafkaesken Roman. Anders als bei Kafka aber immerhin mit Happy End!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Die letzten Kilometer in der T\u00fcrkei radeln wir \u2013 nach dem insgesamt 4 Reifenpanne \u2013 nochmal bergauf, der Grenz\u00fcbergang Kapikoy-Razi liegt auf \u00fcber 2000 Metern. An der Grenze ist wenig bis gar nichts los, ein t\u00fcrkischer Z\u00f6llner taucht auf und fragt, ob wir in den Iran wollen, um gleich darauf deutlich zu machen: \u201eIt&#8217;s impossible, the gate is closed\u201c. Es stellt sich heraus, dass an der Grenze nur Waren- und Zugverkehr statt findet. Der Grenz\u00fcbertritt auf der Stra\u00dfe ist nicht m\u00f6glich \u2013 vielleicht in 2-3 Monaten wieder.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Die gute Nachricht: In ein paar Stunden kommt der Zug und wir k\u00f6nnen einfach an der Grenzkontrolle in den Zug einsteigen, \u00fcber die Grenze fahren und dann wieder aussteigen. Also wieder 2 Kilometer zur\u00fcck zum Grenzbahnhof.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Damit beginnt das lange Warten: Es hei\u00dft  jetzt, dass der Zug erst in der Nacht zwischen 2 und 3 Uhr Fr\u00fch fahren wird. So werden wir f\u00fcr die n\u00e4chsten Stunden Teil der Schicksalsgemeinschaft derer, die die t\u00fcrkische B\u00fcrokratie hier in die kurdischen Berge verschlagen hat: Polizisten, Z\u00f6llner , Bahnbedienstete. Alle arbeiten am Grenzbahnhof und leben gleich daneben in den 4-5 Blocks mit Dienstwohnungen. Sonst gibt es nichts: keinen Laden, kein Restaurant, nicht einmal eine Moschee!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Der Postbeamte, der keine Dienstwohnung hat, sondern praktischerweise gleich im Postamt selbst wohnt, versorgt uns die n\u00e4chsten Stunden mit Tee, selbst gekochtem Abendessen und etlichen Schachteln selbst importierten Zigaretten. Wir versuchen zu erkl\u00e4ren, dass radfahren und Marlboro nicht so gut zusammen passen. Einziger Erfolg. Statt Marlboro wandert nun ein ums andere P\u00e4ckchen Light-Zigaretten \u00fcber den Tisch.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Auch H\u00fcseyn, der Z\u00f6llner, kommt auf einen Tee im Postamt vorbei, um uns ein paar der frisch beschlagnahmten Schmuggel-Zigaretten zu schenken. Und weil er schon dabei ist, l\u00e4dt auch er uns in seine Dienstwohnung ein, um uns seine original Van-Katze zu zeigen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">So wird es langsam Nacht und es spricht sich herum, dass der Zug wohl doch erst um 6 Uhr in der Fr\u00fch f\u00e4hrt. Also legen wir uns zum Schlafen in den Wartesaal. Es ist 8:30, als uns ein Polizist weckt, um zu sagen, dass der Zug wahrscheinlich um 10 Uhr kommt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Was diesmal auch stimmt. Die Passkontrolle dauert dann noch einmal 2 Stunden. Um 12 Uhr werden die Zugt\u00fcren plombiert und es geht endlich Richtung Iran.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Der Plan, nach der Grenze wieder aus dem Zug auszusteigen, scheitert daran, dass der Zug hier nicht stoppt \u2013 die iranische Passkontrolle findet erst 100km weiter statt. Eine Wagent\u00fcre bleibt trotzdem unplombiert und bietet den Mitreisenden die willkommene Gelegenheit, kurz nach der Grenze die S\u00e4cke mit dem Schmuggelwaren aus dem fahrenden Zug zu werfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Die Passkontrolle verl\u00e4uft dann problemlos. Ein iranischer Z\u00f6llner sammelt mit dem \u00fcberall auf der Welt gleichen skeptisch-ernsten Z\u00f6llnerblick alle P\u00e4sse ein, ein Arzt misst bei allen Reisenden die Temperatur und verteilt Zetteln mit ganz speziellen Hygiene-Tipps \u201eSchneuzen Sie sich  nicht in die Hand, sondern in den Hemd\u00e4rmel.\u201c Nach weiteren zwei Stunden Wartezeit bekommen wir die P\u00e4sse wieder zur\u00fcck. Unser Gep\u00e4ck wird nicht kontrolliert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Unsere erste Station im Iran: die Millionenstadt Tabriz.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">ngg_shortcode_0_placeholder<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Einreise in den Iran entwickelt sich zum epochalen kafkaesken Roman. Anders als bei Kafka aber immerhin mit Happy End! 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