Aber bitte mit Melone
Mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, heißt oft auch Konsumverzicht. Schließlich müssen wir alles, was wir kaufen, auch verstauen und transportieren können. Wassermelonen – sauschwer, riesengroß, und kugelrund – sind demnach ein No-Go. Ich lasse also nur kurz einen sehnsüchtigen Blick über den LKW voll mit Melonen streifen, bevor es wieder weitergeht. Doch Christoph hat der Ehrgeiz gepackt. Obwohl er sich vor Melonen ekelt (wie vor fast jedem Obst und Gemüse), gibt er sich zuversichtlich, dass wir schon noch Platz finden. 6,5 kg wiegt das ausgewählte Exemplar schließlich. Der Melonenverkäufer ist von unserer Kühnheit so überwältigt, dass er jedem von uns spontan ein Stück warme Lammhaxe in die Hand drückt – seine Jause, an der er auch gerade kaut. Eine 1+1 Gratis-Aktion, von der sich auch der BILLA noch was abschauen kann.
Es ist ein Uhr Mittags und hat circa 36 Grad, wir ziehen uns also mit unserer Beute in den Schatten zurück. Dort bastelt Christoph aus Gurten, Gummi-Spinnen und einem Handtuch eine Halterung für den Melonenschatz. Von dort reist die Wassermelone noch gut 90km mit uns weiter, bis ich sie am Abend endlich anschneiden kann.
Vorher:

Nachher:

Griechischer Wein…
Am ersten Tag in Griechenland fahren wir von Igoumenitsa nach Zitsa. Was uns vorher keiner gesagt hat: Das liegt auf 650 Meter Seehöhe und die Straße ist so steil, dass man – zumindest mit dem beladenen Rad – teilweise nicht mehr fahren kann. Soweit die Nachteile von Zitsa.
Die Vorteile sind: Ein typischer Wein – ähnlich Prosecco – für den Zitsa berühmt ist, und, dass in Zitsa Kostas wohnt. Kostas ist 33, Dorfbäcker, Restaurantbesitzer, Schafzüchter, Hobby-Winzer und Herausgeber und Chefredakteur von Zitsa-News. Kurz gesagt: ein wichtiger Mann im Dorf. Außerdem sehr gastfreundlich. Und weil das alte Haus, in dem früher seine Großeltern gewohnt haben, sowieso leer steht, lässt er uns darin übernachten. Am Abend gibt’s dann im eigenen Restaurant noch selbstgemachten Lammbraten und Zitsa-Wein. Am nächsten Morgen frisches Brot und Kekse aus der Bäckerei.
Und als Proviant für den Tag noch mal ein paar Brioches..
… und griechisches Bier
Nach der Übernachtung bei Kostas machen wir nur einen halben Tag am Rad. Irgendwo dann ein Schild zu einem Campingplatz. Nach dem Abbiegen in die Seitenstraße natürlich keine Spur davon.
Als wir einen Bauern nach dem Weg fragen, weiß der natürlich nichts von einem Campingplatz – ist aber auch egal, wir können das Zelt ja einfach bei ihm am Hof aufstellen.
Gesagt getan. Platz ist genug vorhanden und eine Wasserleitung gibt’s auch. Und weil der Altbauer einige Zeit als LKW-Fahrer durch Europa gefahren ist, kann er auch ein paar Worte Deutsch – auf jeden Fall ausreichend, um uns noch zu einem Bier auf die Veranda einzuladen
RSS funktioniert – so halb
Da es Probleme mit der RSS-Feed-Link gibt (danke für den Hinweis an Rebe) werden wir das bei Zeiten in Ordnung bringen, wenn wir wissen wie. Vorläufig funktioniert RSS nur über das Icon in der Adressleiste des Browsers – aber nicht über den Link am Fuß der Seite. Wer will kann den RSS-Feed über den Button in der Adressleiste abonieren
Oder die Adresse in seinen RSS-Reader, Email-Programm, Browser etc. direkt eintragen: http://www.christophulbrich.at/grandtour/main/feed/rss
Camping total
Vergesst alle Klischees über Holländer und Deutsche zum Thema Camping. Camping in einer neue Dimension betreiben die Italiener. Baracken-Dauer-Camping. Dazu kauft sich der Italiener einen Wohnwagen, stellt ihn auf einen Campingplatz und verbarikadiert ihn dann in wahrscheinlich monatelanger Kleinarbeit mit allem was das Camping-Leben angenehmer macht. Rund um den Wohnwagen gruppieren sich, Vorzelt, Vor-Vorzelt, Kochzelt mit Kühlschrank, Bodenbelag, Deckenventilator, Fernseher usw. usw.
Am Ende kommt dann um die ganze Trutzburg ein Gartenzaun. Die Möglichkeit den Wohnwagen je wieder zu bewegen – völlig ausgeschlossen!
Ganz Italien ist ein Hotel
Einmal im Leben nach Caorle. Wir haben uns diesen Traum erfüllt und unsere 2. Nacht in Italien am Hausmeisterstrand verbracht. Sieht aus, wie wir es uns uns erwartet haben: ein Hotel reiht sich an das andere, dazwischen Pizzeria, Gelateria, Caffeteria und diverse Kinderfallen, die sich auf Münzeinwurf zu bewegen beginnen (Autos, Seepferdchen, Marssonden etc.)
Was wir uns allerdings nicht erwartet haben: Diese Idylle reißt nicht ab bis weit nach Rimini, das bedeutet in Radfahrerrechnung drei volle Tage von Hotel Miramare zu Bellavista, weiter zu Beach Side, Stella, Edelweiß, etc. Zermürbt von dieser endlosen Ferienidylle stürzen wir uns begeistert auf den ersten Hügel seit 300km. Es geht den Monte Gabbicce schweißtreibend steil bergauf, aber von einer Sekunde zur anderen sind die zerlotterten Hotels verschwunden, die Landschaft lieblich italienisch mit sanften Hügeln und mediterranem Gewächs. Es ist Dienstag, 9.6. und wir fahren diesen Tag noch bis beinahe acht Uhr abends, hauen uns dann auf einen Campingplatz am Meer (genauer: zwischen Bahntrasse und Straße). 2x Pizza, 4x Bier. Letzer Abend in Italien, am Mittwoch, den 10.6., wollen wir die Fähre von Ancona nach Igoumenitsa in Griechenland nehmen.
Der Pirat aus Cesenatico
Ein Land in dem Radfahrern Denkmäler gesetzt werden, das kann kein schlechtes sein. In Italien – genauer gesagt in Cesenatico – ist das so. Mitten im Ort steht die Statue des größten Sohnes der Stadt. Radsport-Legende Marco Pantani. 1998 Sieger des Giro d’Italia, der Tour de France und bester Bergfahrer aller Zeiten. Der kleine „Pirat“ – wie ihn die Fans nannten – war trotz aller Erfolge kein glücklicher Mensch. Er trat 2004 – im Alter von gerade einmal 34 Jahren und trotz intensiver psychiatrischer Behandlungen – vermutlich freiwillig aus dem Leben.

Plus (und Minus)
Was man nach gut einer Woche am Rad schon sagen kann. Ein paar Dinge haben sich schon gut bewährt – ein paar andere haben sich schon verabschiedet.
Großes Kompliment an dieser Stelle an die Windstopper-Gilets von Löffler. Vielleicht nicht die modischen Highlights in der Welt der ärmellosen Jacken, aber hoch funktional. Irgendwie schaffen es diese Wunderjacken, bergauf so gut zu schützen, dass man nicht mehr als notwendig schwitzt und halten bergab den kältesten Fahrtwind fern von der Brust.
Die Lenkertasche hingegen überzeugt weniger – die Halterung bricht bereits am zweiten Tag. Seitdem betreten wir jedes Fahrradgeschäft auf der Strecke und fragen nach Ersatz. Hat natürlich keiner, ist aber auch nicht so schlimm, weil ein Kabelbinder (einstweilen) die Funktion übernommen hat. Soll heißen: auch die Mitnahme von Kabelbindern kann nur weiterempfohlen werden.
Ghoste Bikes in Venedig
In Italien stehen Ghost Bikes offensichtlich länger als in Wien – wo sie ja bin in kürzester Zeit von der MA48 abtransportiert werden. Diese zwei haben wir am Weg über den Lido di Venezia am Straßenrand entfeckt. Leider war kein Zettel dran, sodass wir nicht wissen, an welche getöteten Radler sie erinnern sollen.
Stand der Dinge: 702 km
Über Ternitz nach Gloggnitz und weiter nach Schottwien auf den Semmering: Die Weltreise mit dem Fahrrad beginnt zunächst mit einer Schulung in heimischer Geographie. Trotz raffinierter Routenplanung bleiben uns einige Pässe nicht erspart, die die Reise schon jetzt zu einer einzigartigen Erfahrung machen. Am Semmering zeigt das GPS exakt 1000 müM an. Immerhin, harte Pässe sind fair, es geht danach immer bergab. Im Gegensatz zum Wind, der nach Belieben ein- und aussetzt. Ansonsten hatten wir noch mit Regen zu kämpfen, das war es aber auch schon mit den Widrigkeiten. Die erste von 52 Wochen verläuft auf jeden Fall so, dass man mehr will. Anbei einige Impressionen.
Hey Ho, Lets go!
Es ist so weit. Morgen früh geht’s los. Der Haushalt in 4 Radtaschen gepackt. Das GPS programmiert und auch sonst alles soweit wie möglich organisiert.
reved up and ready to go!